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Santiago de Chile

von Thomas Lindinger und Simon Schmidthaler

Karte
Allgemeine Infos

Müde von der langen Reise vom Pucará de Quitor nach Santiago de Chile, kommt Pachacutec ob der heutigen Gröβe der Stadt nicht aus dem Staunen heraus. Santiago war vor dem Eintreffen der spanischen Konquistadoren ein Verwaltungszentrum der Inkas. Diese Zentren wurden tampus genannt. Sie bestanden aus hallenartigen Hütten, in denen sich Boten und Händler ausruhen konnten, militärischen und staatlichen Geschäften nachgegangen wurde und auch Reisende übernachteten. Diese tampus konnte man am gesamten perfekt angelegten Straβennetz finden. Das Straβensystem war Transportweg für Armee und Handel sowie Teil des Kommunikatonsnetzwerkes. Ein ausgeklügeltes Botensystem ermöglichte die Überbringung einer Nachricht auf einer Distanz von 240 km pro Tag. Pachacutec macht sich nun an den anstrengenden Aufstieg nach Portillo auf fast 3000 m Meereshöhe.

Welche Bedeutung hat Santiago de Chile heute? Mach dich kundig! Durch Klicken in das Titelfoto siehst du weitere wichtige Elemente der Stadtlandschaft von Santiago de Chile. Durch Klicken auf den Inka-Krieger gelangst du hingegen zu allgemeinen Informationen über die Straβen der Inka.

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Allgemeine Infos

Santiago ist das unumstrittene politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum von Chile. Dass der Nationalkogress nach Valparaíso verlegt wurde, ändert daran kaum etwas. 2017 lebten im Stadtgebiet von Santiago etwas mehr als 5 Millionen Menschen. Das historische Zentrum der Hauptstadt zeigt die klassische Struktur hispano-amerikanischer Kolonialstädte, mit Schachbrettmuster und zentraler Plaza de Armas (vergleiche die Beiträge zu Arequipa, Cusco, Lima oder Salta). Santiago ist jedoch viel mehr als das historische Zentrum. Viele Aspekte der chilenischen Geschichte spiegeln sich in den Straβen, Gebäuden und Denkmälern der unterschiedlichen Stadtteile wider. Der folgende Stadtrundgang führt dich von den durch die römisch-katholische Kirche geprägten früheren Jahrhunderten über die politischen Turbulenzen der 1970er Jahre bis in die postmoderne Gegenwart.

Kirche, Staat und Indigene

Die mit der Kolonisation entstandene Kirche von Chile bekam in Santiago de Chile 1561 einen ersten Bischof, dem bereits 1563 ein zweiter in Concepción folgte. Stets von den Kolonialherren in Europa abhängig, kam es erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einer eigenständigen Ausbildung der Kirchenstruktur, auch wenn eine Abhängigkeit von europäischen Missionaren noch lange erhalten blieb.

Noch heute zeugen unzählige Kirchen und Kathedralen ebenso wie die sechs katholischen Universitäten in Chile von der machtvollen Geschichte der katholischen Kirche in diesem Land. Die renommierte Pontifica Universidad Católica de Chile hat etwa 30.000 Studierende.

Als Papst Franziskus im Jänner 2018 Chile besuchte, war ihm die Situation der indigenen ethnischen Minderheiten besonders wichtig. Wie jedoch wurde zu Zeiten der Kolonialherrschaft mit den indigenen Bevölkerungsgruppen umgegangen, und welchen Standpunkt nimmt der moderne chilenische Staat ein?

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Die Spanier waren davon überzeugt, dass das neu gegründete Vizekönigreich Peru unter dem neuen Gott das alte Reich der Inkas fortsetzte. Die spanische Krone respektierte die Stellung der Inka-Häuptlinge und machte sie zu Adeligen. Am Ende des 16. Jahrhunderts bzw. Anfang des 17. Jahrhundert waren die Inka-Adeligen fast vollständig assimiliert. Zu dieser Zeit kam es auch zu einem Bewusstwerden ihrer ruhmreichen Vergangenheit. Daraus entwickelten sich mehr und mehr ernstzunehmende Revolten und Aufstände, die aber von den Spaniern brutal niedergeschlagen wurden. In den Unabhängigkeitskriegen verlor die Inka-Bevölkerung mehr und mehr an Bedeutung und wurde von den Kreolen (Nachkommen der europäischen Einwanderer) verdrängt bzw assimiliert.

La Moneda und Bandera Bicentenario

Mit den Einflüssen der Aufklärung und ihrem revolutionären Gedankengut aus Europa als Vorbild, verankerten sich auch in Chile republikanische Überzeugungen, die in einer organisierten Unabhängigkeitsbewegung in ganz Lateinamerika gipfelten. Im Beitrag zu Mendoza kannst du mehr zum Kampf um die Unabhängigkeit erfahren. Zum 200. Jubiläum des Beginns dieser Loslösung im September 1810 wurde die Bandera Bicentenario vor dem Präsidentenpalast in Santiago zum ersten Mal gehisst.

Eine Flagge zu hissen ist für viele Menschen etwas ganz Besonderes - sei es auf dem Mond, in der Antarktis oder eben im Zentrum der Hauptstadt. Was bedeutet es für dich?

Im frühen 21. Jahrhundert darf sich Chile mit Recht als eine Demokratie bezeichnen. Dies war jedoch auch in der jüngeren Geschichte nicht immer so.

Welche dramatischen Ereignisse trugen sich 1973 im Präsidentenpalast La Moneda zu, die die folgenden Jahre und sogar Jahrzehnte prägten?

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Übungsaufgabe

Das postmoderne Santiago

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07.05.2006
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Springe durch Klicken auf die Pfeile oder in das Foto zwischen den Jahren 2006 und 2016 hin und her.

In diesem Beitrag hast du bereits mehrere Plätze in Santiago von groβer historischer Bedeutung kennengelernt, die die Geschichte der Stadt in den letzten fünf Jahrhunderten nachzeichnen. Einen groβen Teil ihres Gesichts des frühen 21. Jahrhunderts hat die chilenische Hauptstadt allerdings erst in den letzten Jahrzehnten erhalten. Das alte historische Zentrum verschwand in einem Meer aus es umgebenden modernen und postmodernen Hochäusern, und der Lebensstil vieler BewohnerInnen orientiert sich am American way of life. Jedoch haben diese Entwicklungen nicht alle Teile der Stadt in gleichem Maβe umfasst. Dieser Fotovergleich bietet einen Überblick über die Veränderungen im Stadtzentrum von Santiago im Zeitraum 2000-2006. Aussichtspunkt ist der Cerro San Cristóbal. Der koloniale Kern mit der Plaza de Armas befindet sich ca. in der Bildmitte, rechts des Hügels Cerro Santa Lucia.

Beschreibe die Veränderungen, die du im Zeitraum 2006-2016 beobachten kannst. Besuche Santiago auch in Google Earth und schau dir dort an, wie sich die Stadt im selben Zeitraum verändert hat. In welchem Teil von Santiago fanden die auffälligsten Veränderungen statt?

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Eine Autobahn für die Reichen

Klicke auf den Pfeil um mit 25-facher Geschwindigkeit von Chicureo in das Barrio Alto in Santiago de Chile zu fahren.

Im frühen 21. Jahrhundert zogen und ziehen viele wohlhabende Menschen und Familien in neu errichtete Gated communities in und um Chicureo nordwestlich von Santiago. Die Autopista Nororiente verbindet diesen Bereich wo die Menschen wohnen mit dem Barrio Alto, wo sie arbeiten. Diese Autobahn wurde 2009 fertiggestellt und verringert die Fahrzeit nach Santiago von 45 Minuten auf 20 Minuten.

Zeitraffer-Video: Peter Mathis und Stefan Reichart

Referenzen und Links

Dannemann, V. (2018): Chile und die Katholische Kirche: Eine endgültige Scheidung? Deutsche Welle, 8.2.2018 [Quelle öffnen]

Métraux, A. (2001): Reich der Inka. Stuttgart

Rinke, S. (2007): Kleine Geschichte Chile. Verlag C.H. Beck, München

Sattler, T. & Wittelsbürger, H. (2004): Minderheitenschutz und Menschenrechte - die chilenische Situation der indianischen Bevölkerung. Konrad-Adenauer-Stiftung [Quelle öffnen]

Wood, T. (1996): Die Inkas. Erlangen

Spanischsprachiger Wikipedia-Eintrag zur Autopista Nororiente [Quelle öffnen]

Wikipedia-Eintrag zu La Moneda [Quelle öffnen]

Wikipedia-Eintrag zum Putsch in Chile 1973 [Quelle öffnen]

Wikipedia-Eintrag zu Salvador Allende [Quelle öffnen]

Wikipedia-Eintrag zu Santiago de Chile [Quelle öffnen]

religion.orf.at: Papst traf in Chile Opfer von Missbrauch in Kirche. 17.1.2018 [Quelle öffnen]

Youtube-Video: Salvador Allende - Rede vor der UNO 1972 [Quelle öffnen]

Dieser Beitrag wurde von Martin Mergili überarbeitet und ergänzt.