anden.at

Entdecke die Anden

Exkursionsführer Videos Fotos Präsentationen

Mendoza

von Teresa Doppler, Tina Gneist, Simone Helmer, Thomas Lindinger, Peter Mathis, Simon Schmidthaler und Magdalena Steiner

Karte
Allgemeine Infos

Die Region Mendoza samt ihrer gleichnamigen Hauptstadt ist berühmt für ihren Weinbau. Bei einem Spaziergang durch die Weingärten erholt sich Pachacutec von der beschwerlichen Andenüberquerung über Portillo und erzählt uns dabei, dass die Bauernhöfe der Inkas sich meist zwischen den Talsohlen und den Hochlandweiden befanden. So konnte man Tiere züchten und verschiedene Getreidearten anbauen. Zu den Grundnahrungsmitteln zählte besonders in den Gebirgsgegenden die Kartoffel. In tiefer gelegenen Gebieten war es der Mais.

Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es zwischen der traditionellen Landwirtschaft der Inka und dem modernen Weinbau in Mendoza? Mach dich kundig! Durch Klicken auf den Inka-Krieger gelangst du zu allgemeinen Informationen über die Straβen der Inka.

Auflösung zeigen
Allgemeine Infos

Es gibt so gut wie gar keine Gemeinsamkeiten. Die Anbauflächen der Inka befanden sich zum gröβten Teil in gebirgigem Gelände der tropischen Anden und waren sehr kleinräumig strukturiert. Die diversen landwirtschaftlichen Produkte wurden vor allem zwischen den verschiedenen Höhenstufen gehandelt. Der moderne Weinbau in Mendoza hingegen wird als Monokultur auf groβen, ebenen Flächen im östlichen Andenvorland betrieben und dabei von kapitalistisch ausgerichteten Unternehmen getragen. Der Wein wird nach ganz Argentinien und ins Ausland verkauft.

Durch Klicken in das Titelfoto gelangst du aus den Weingärten in eine der für Mendoza charakteristischen breiten Alleen.

Mendoza und der Unabhängigkeitskampf

Mendoza spielte im Unabhängigkeitskampf gegen die Spanier eine bedeutende Rollle. 1817 marschierte der Unabhängigkeitskämpfer Bernardo O'Higgins mit General José de San Martín über die Anden und schlug die Spanier in der Schlacht von Chacabuco in Chile. In der verlorenen Schlacht von Cancha Rayada 1818 wurde er am Arm verletzt. Die Schlacht von Maipú am 5. April 1818 brachte den endgültigen Sieg für die chilenischen Unabhängigkeitskämpfer. Der siegreiche José de San Martín setzte eine nationale Regierung ein. Jedoch lehnte er das Amt des chilenischen Präsidenten zugunsten von Bernardo O'Higgins ab.

Das Denkmal der ewigen Freundschaft zwischen Argentinien und Chile wurde auf der Plaza Chile in Mendoza errichtet.

Durch Klicken der Pfeile oder in das Bild gelangst du zum Denkmal Ejército de los Andes auf dem Cerro de la Gloria, das ebenfalls in Zusammenhang mit dem Unabhängigkeitskampf steht.

1 von 2

Eine grüne Oase - aber wo ist das historische Zentrum?

Mendoza ist eine lebendige, grüne Oase in der Wüste. Das Stadtbild ist durch breite, von Platanen und modernen Gebäuden gesäumte Alleen - wie in einem der Titelbilder zu sehen - geprägt. Auffällig ist auch, dass im Zentrum, abgesehen von der vier cuadras groβen zentralen Plaza de Independencia, vier weitere in symmetrischem Muster angelegte Plätze (Plaza España, Plaza de Chile, Plaza Italia und Plaza San Martín) zu finden sind, so dass es von keinem Punkt weit bis zum nächsten Platz ist. Bestimmte Teile des Zentrums haben bestimmte Funktionen - so sind die meisten Banken um die Plaza San Martín konzentriert, während sich viele Restaurants entlang zweier Straβen aneinander reihen.

Was man in Mendoza jedoch vermisst, ist das für viele lateinamerikanische Städte - wie z.B. Salta charakteristische Zentrum aus der Kolonialzeit mit seinen engen Gassen. Das ehemalige koloniale Zentrum befand sich ca. einen Kilometer nordöstlich des modernen Zentrums und ist nicht mehr erhalten.

img

Wo ist das historische Zentrum von Mendoza geblieben und warum gibt es so viele offene Plätze und breite Straβen?

Auflösung zeigen

Am 20. März 1861 zerstörte ein Erdbeben die Stadt vollständig, so dass heute aus der Kolonialzeit nur noch die Ruinen der Kirche des Hl. Franziskus erhalten sind. Bei dem Beben mussten mehr als 4000 der 11.500 Einwohner/innen, also rund ein Drittel der Bewohner/innen, ihr Leben lassen. Zwei Jahre später wurde die Stadt erneut aufgebaut und man versuchte die Stadt erdbebensicherer zu errichten. Unter anderem wurden viele freie Plätze vorgesehen, die den Menschen im Falle eines neuerlichen Erdbebens eine sichere Zuflucht gewähren sollten. Darüber hinaus entsprach es dem Zeitgeist, mehr Grün in die Städte zu bringen. Mendoza hatte am Ende des 19. Jahrhunderts eine Ackerbauschule, lebhaften Handel und 1882 wieder 18.200 Einwohner. Im frühen 21. Jahrhundert hat Gran Mendoza ca. eine Million Einwohner.

img

Auβerdem errichtete die Stadt für Starkregenereignisse ein eigenes Abwassersystem, damit die Stadt nicht so leicht überschwemmt wird. Dieses nützt jedoch nur bedingt etwas, wie der folgende Film zeigt.

Video

Ein Sommergewitter in Mendoza

Starte das Video durch Anklicken des Pfeiles.

Mendoza ist weit vom Atlantik entfernt, und durch die Anden gut von den feuchten pazifischen Luftmassen abgeschirmt, die nur 200 km westlich in Chile zu winterlichen Regenfällen führen. Deshalb ist es hier arid, so dass der Weinbau auf Bewässerung angewiesen ist. Im Sommer kann es aber durch konvektive Wolkenbildung vor allem nachmittags und abends zu starken Gewittern kommen, die das verschmutzte Kanalsystem - das eigentlich zur Bewässerung der Bäume gedacht ist - überfordern. Am nächsten Morgen ist der Spuk dann meist wieder vorbei.

Film: Peter Mathis

Referenzen und Links

Birle, P. (2009): Zwischenstaatliche Konflikte in Südamerika vom 19. Jahrhundert bis heute. Ursachen, Lösungsansätze, Perspektiven. In: Mark, L. & Fritz, E.G. (Hrsg.): Lateinamerika im Aufbruch. Eine kritische Analyse: 123-136. Athena-Verlag, Oberhausen [Quelle öffnen]

Métraux, A. (2001): Reich der Inka. Stuttgart

Wittelsbürger, H. & Möller, S. (2005): Die Beziehungen Chiles zu seinen Nachbarländern - ein Verhältnis zwischen Bewunderung und Miβgunst. Konrad Adenauer Stiftung, Santiago de Chile [Quelle öffnen]

Wood, T. (1996): Die Inkas. Erlangen

Spanischsprachiger Wikipedia-Artikel zu Mendoza [Quelle öffnen]

Spanischsprachiger Wikipedia-Artikel zum Erdbeben von 1861 [Quelle öffnen]

Dieser Beitrag wurde von Martin Mergili überarbeitet und ergänzt.