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Patagonische Anden

Glaciar Grande und Laguna Torre

von Martin Mergili

Südliche Patagonische Anden Karte
Allgemeine Infos

Der Glaciar Grande ("Groβer Gletscher") kalbt in die Laguna Torre am Fuβe des Cerro Torre. Am besten lässt sich die in den See kalbende Gletscherzunge vom Mirador Maestri beobachten, der in einer ca. 3-stündigen Wanderung von El Chaltén erreichbar ist. Dafür benutze man zunächst dem Wanderweg in Richtung Laguna Torre und, sobald am See angekommen, folge dem Moränenrücken rechts des Sees bis zum Aussichtspunkt. Aber Vorsicht: der Wind kann sehr, sehr stark sein so dass das Stehen schwer fällt!

Übungsaufgabe

Der Gletscher und seine Umgebung: ein dynamisches System

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26.02.2018
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Dieses Foto zeigt die in den See kalbende Zunge des Glaciar Grande, aufgenommen vom Mirador Maestri.

Durch Klicken auf die Pfeile oder ins Foto kannst du zurückverfolgen, wie sich die Gletscherzunge und deren Umgebung im Zeitraum 2006-2018 entwickelt haben.

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Analysiere die Veränderungen des Glaciar Grande im Zeitraum 2006-2018 und gehe dabei wie folgt vor:

  1. Beschreibe zunächst die generellen Formen und Strukturen die du erkennst.
  2. Beschreibe die Veränderungen zwischen den einzelnen Zeitpunkten. Achte dabei nicht nur auf den Gletscher selbst, sondern vor allem auch auf die umliegenden Hänge.
  3. Interpretiere deine Beobachtung hinsichtlich der zugrunde liegenden Prozesse. Wenn du dir nicht sicher bist, stelle mehrere Hypothesen auf.
  4. Prognostiziere schlieβlich die zu erwartenden Veränderungen in den kommenden 10-20 Jahren.
Auflösung zeigen

Beobachtung: der orographisch linke Teil des Gletschers ist schuttbedeckt, während der rechte Teil relativ sauber ist. Teile des Gletschers sind intensiv von Spalten durchzogen. Die Gletscherzunge verliert im Beobachtungszeitraum an Länge, vor allem aber auch an Mächtigkeit. Dementsprechend vergröβert sich die Fläche des Gletschersees. Vor allem im Zeitraum 2016-2018 wirkt das Gletscherende zunehmend zerfranst und die Gletscheroberfläche uneben. Auf der orographisch linken Seite des Gletschers ist bereits 2016 ein kleinerer See zu sehen, von dem 2006 noch nichts zu sehen war. Dieser See steht offenbar über einen subglazialen Abfluss mit der Laguna Torre in Verbindung. 2018 ist die Eisbrücke geschmolzen und der kleinere See Teil der Laguna Torre. Am orographisch rechten Hang hingegen hat sich die Vegetation verändert: nahe des linken Bildrandes scheint ein Band aus vegetation nach unten gewandert zu sein. Überhaupt scheint es in mehreren Bereichen zu abwärts gerichteten Hangbewegungen gekommen zu sein.

Interpretation: der schuttbedeckte orographisch linke Teil des Gletschers kommt aus einem geomorphologisch aktiveren Einzugsgebiet und ist stärker durch Massenbewegungen von den Seitenhängen beeinflusst. Die Spalten sind auf die schnelle Bewegung des Eises über einen unebenen Gletscheruntergrund zurückzuführen. Der Gletscherrückgang ist mit höchster Wahrscheinlichkeit auf den Klimawandel zurückzuführen. Im Gegensatz zum Glaciar Perito Moreno scheint dieser Gletscher sein Eis nicht aus dem Südlichen Patagonischen Eisfeld zu beziehen, sondern von den Hängen aus der unmittelbaren Umgebung und zeigt deshalb möglicherweise eine beschleunigte Reaktion. Vor allem der schuttbedeckte Teil scheint eher innerlich zu zerfallen (von der unmittelbaren Sonneneinstrahlung ist er geschützt). Durch das Wegfallen des Widerlagers kommt es zu Massenbewegungen an den angrenzenden Hängen: dieses Phänomen ist nicht nur am Glaciar Grande zu beobachten, zondern an vielen Gletschern weltweit, besonders deutlich v.a. auch am Fox Glacier in Neuseeland.

Prognose: Da die Gletscherzunge ständig dünner wird ist zu erwarten, dass die Front in näherer Zukunft drastisch nach hinten wandern wird, höchstwahrscheinlich unter Produktion zahlreicher Eisberge, ein Trend der schon im Foto von 2018 zu beobachten ist. Je nach der Topographie des Untergrundes kann es dadurch entweder zu einem Wachstum des Sees, oder aber auch zur Abkopplung des Sees vom Gletscher kommen. Darüber hinaus ist auch zu beachten, dass eine plötzliche Beschleunigung der Massenbewegung zu einer Flutwelle im See führen könnte, die nicht nur die Menschen direkt am und unterhalb des Sees gefährden sondern potentiell auch für El Chaltén ein Problem darstellen würde.

Referenzen und Links

Lliboutry, L. (1993): Thrust of Glaciar Torre over itself. Journal of Glaciology 39(133): 707-708 [Quelle öffnen]

Lliboutry, L. (1998): Glaciers of Chile and Argentina. Geological Survey Professional Paper 1386 [Quelle öffnen]

Masiokas, M.H., Luckman, B.H., Villalba, R., Delgado, S., Skvarca, P. & Ripalta, A. (2009): Little Ice Age fluctuations of small glaciers in the Monte Fitz Roy and Lago del Desierto areas, south Patagonian Andes, Argentina. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology 281(3-4): 351-362 [Quelle öffnen]

Winocur, D., Goyanes, G. & Viera, G. (2015): Movimiento de remoción en masa activo y su riesgo geológico asociado en la ciudad de El Chaltén, provincia de Santa Cruz. XIV Congreso Geológico Chileno [Quelle öffnen]